Von Leistungen zu Mehrwerten: Wie Datentreuhänder ihr Angebot kundenzentriert entwickeln und kommunizieren

Datentreuhänder sollen Daten sicher, kontrolliert und vertrauenswürdig zwischen unterschiedlichen Akteuren vermitteln. Für ihre praktische Etablierung reicht es jedoch nicht aus, technische Infrastrukturen bereitzustellen, Zugriffsrechte zu verwalten oder rechtliche Anforderungen abzusichern. Es ist vielmehr entscheidend, welchen konkreten Nutzen Datengebende, Datennutzende und weitere Beteiligte aus einer aktiven Beteiligung ziehen können.

Genau hier setzt das DaTNet-Paper zu Value Propositions von Datentreuhandmodellen an. Es fragt danach, wie Datentreuhänder ihre Leistungen in nachvollziehbare Mehrwerte übersetzen können – und weshalb diese Frage für Profilierung, Kommunikation und langfristige Tragfähigkeit zentral ist. Im Fokus steht also die Frage, wie Datentreuhänder ihre Leistungen in nachvollziehbare Mehrwerte übersetzen und diese überzeugend vermitteln können.

Mehr als sicherer Datenzugang

Sicherer Datenzugang, vertrauenswürdige Infrastruktur oder gutes Einwilligungsmanagement sind wichtige – unabdingbare – Voraussetzungen für das Datenteilen. Aus Sicht potenzieller Nutzender bleiben solche Funktionen jedoch häufig abstrakt und damit ggf. uninteressant. Ein überzeugendes Wertversprechen entsteht demgegenüber dann, wenn deutlich wird, welches konkrete Problem dadurch gelöst wird:

Beschleunigt ein Angebot Forschungsprozesse? Erleichtert es die rechtssichere Nutzung von Daten? Verbessert es die Auffindbarkeit und Verknüpfung von Datenbeständen? Senkt es Koordinationsaufwände oder ermöglicht es neue datenbasierte Dienstleistungen? Solche Fragen verschieben den Blick vom bloßen Transfer von Daten hin zu den Anwendungen und Wirkungen, die durch ihn ermöglicht werden – bis hin zu tragfähigen Geschäfts- und Kooperationsmodellen. Erst dadurch wird für potenzielle Beteiligte und Entscheidungsträger erkennbar, weshalb sich eine Teilnahme oder Unterstützung lohnen kann.

Wertversprechen frühzeitig entwickeln

Wertversprechen sind keine nachträgliche Kommunikationsformel, sondern sollten von Beginn an mitgedacht und möglichst gemeinsam mit den jeweiligen Zielgruppen entwickelt werden. So kann ein Datentreuhänder sein Leistungsportfolio an tatsächlichen Bedarfen ausrichten, statt Angebote an möglichen Nutzer:innen vorbei zu entwickeln.

Dabei ist es nicht ausreichend, lediglich eine allgemeine Zielgruppe zu benennen. In mehrseitigen Datenökosystemen sind unterschiedliche Akteursgruppen beteiligt: Datengebende, Datennutzende, öffentliche Stellen, weitere Dienstleistende oder finanzierende Organisationen. Sie bringen unterschiedliche Ressourcen ein, tragen unterschiedliche Risiken und erwarten unterschiedliche Vorteile. Im besten Fall werden daher für alle relevanten Zielgruppen spezifische, aufeinander abgestimmte Wertversprechen formuliert.

Hinzu kommt eine weitere Unterscheidung: Nicht immer sind die unmittelbaren Nutzenden eines Angebots auch diejenigen, die über dessen Einführung, Lizenzierung oder Finanzierung entscheiden. Ein Service kann für einzelne Fachabteilungen oder Forschende besonders attraktiv sein, ohne dass diese selbst über die notwendigen Beschaffungs- oder Investitionsentscheidungen verfügen. Auch diese Entscheidungsträger:innen benötigen daher ein eigenes, überzeugendes Wertversprechen.

Was die Befragung von Datentreuhandprojekten zeigt

Für das Paper wurden ausgewählte Datentreuhandprojekte dazu befragt, wie sie ihre zentralen Mehrwerte, Leistungen, Zielgruppen und Kommunikationsformen beschreiben. Die explorative Auswertung ist nicht repräsentativ, aber sie verweist auf wiederkehrende Muster.

Datenzugang und Datenteilen bleiben essenzielle Bezugspunkte. Sie werden jedoch selten als alleiniger Mehrwert verstanden. Häufig verbinden die Projekte ihre Angebote mit weitergehenden Zielen: mit Vertrauen, Kontrolle und Rechtssicherheit, mit effizienteren Prozessen, besseren Datenbeständen, konkreten Anwendungen oder neuen Mehrwertdiensten.

Die Befunde legen nahe: Datentreuhänder können sehr unterschiedliche Rollen übernehmen. Sie können Risiken absichern und Vertrauen schaffen. Sie können Datenbestände zugänglich und nutzbar machen. Sie können Akteure zusammenbringen, gemeinsame Standards entwickeln oder zusätzliche Dienstleistungen ermöglichen. Für eine überzeugende Positionierung kommt es darauf an, diese Leistungen nicht nur aufzuzählen, sondern ihren konkreten Nutzen für die jeweiligen Beteiligten sichtbar zu machen.

Profilierung braucht konkrete Beispiele

Für die Kommunikation bedeutet das: Allgemeine Begriffe wie „Datensouveränität“, „vertrauenswürdiger Datenaustausch“ oder „sichere Infrastruktur“ sind eine wichtige Grundlkage, gewinnen aber besonders dann an Überzeugungskraft, wenn sie mit konkreten Anwendungsfällen verbunden werden.

Statt allein auf technische Eigenschaften oder rechtliche Absicherung zu verweisen, kann ein Datentreuhänder etwa zeigen, wie er Forschungsprozesse erleichtert, Verwaltungsaufwände reduziert, Kooperationen zwischen Unternehmen ermöglicht oder die Entwicklung neuer datenbasierter Angebote unterstützt. Konkrete Dienste, Pilotanwendungen, nachvollziehbare Erfolgsbeispiele und der Austausch mit potenziellen Beteiligten können dabei helfen, den eigenen Mehrwert greifbar zu machen.

Wertversprechen als fortlaufende Entwicklungsaufgabe

Value Proposition Design sollte daher nicht als abschließender Schritt der Außendarstellung verstanden werden. Es gehört vielmehr zur laufenden Geschäftsmodell- und Organisationsentwicklung einer zielgruppenorientierten Organisation. Das gilt für Datentreuhänder noch einmal in besonderer Weise, weil sie sich als neue Intermediäre ihren Platz im Feld der Datenökonomie und des gemeinwohlorientierten Datenteilens erst noch erarbeiten müssen. Wertversprechen verbinden die vorhandenen Fähigkeiten eines Modells mit den Bedarfen seiner Beteiligten. Sie helfen dabei, Prioritäten im Leistungsportfolio zu setzen, Partnerschaften zu gestalten und Finanzierungs- oder Erlösmechanismen plausibel zu begründen.

Das vollständige DaTNet-Paper „Mehrwert versprechen: Value Propositions von Datentreuhändern kundenzentriert gestalten“ vertieft diese Überlegungen, stellt die Ergebnisse der Befragung ausführlicher vor und beschreibt praktische Ansätze für die Entwicklung und Prüfung von Wertversprechen.

Unser Dank gilt den Datentreuhandprojekten, die sich an der Befragung beteiligt und ihre Erfahrungen mit uns geteilt haben. Ihre Rückmeldungen haben wesentlich dazu beigetragen, unterschiedliche Wege der Wertschöpfung, Profilierung und Kommunikation im Feld der Datentreuhand sichtbar zu machen.


Relevante Literatur:

A. Brenneis, T. Heinze. Mehrwert versprechen: Value Propositions von Datentreuhändern kundenzentriert gestalten. DaTNet-Paper 20: 2026. 10.82115/w785-4e15