Unter dem Titel „Der Lebenszyklus eines Datentreuhandmodells – von der Idee bis zur Verstetigung unter besonderer Berücksichtigung der rechtlichen Rahmenbedingungen“ fand am 17. März 2025 die DTM-Vernetzungskonferenz in Dresden statt. Auf dieser Seite möchten wir Ihnen einen Rückblick geben.
Weitere Informationen zur Konferenz finden Sie auf unseren Veranstaltungsseite.
Konferenzrückblick
DaTNet-Vernetzungstreffen an der TU Dresden (17.03.2025)
Der Lebenszyklus eines Datentreuhandmodells – von der Idee bis zur Verstetigung
Das DaTNet-Vernetzungstreffen an der TU Dresden widmete sich am 17. März 2025 der Frage, wie Datentreuhandmodelle (DTM) entlang ihres gesamten Lebenszyklus entwickelt, erprobt und langfristig etabliert werden können. Im Mittelpunkt stand dabei insbesondere das Zusammenspiel von rechtlichen Rahmenbedingungen, technischen Infrastrukturen und organisatorischen Strukturen.
Europäischer Datenmarkt: Regulierung im Aufbau und anhaltende Unsicherheiten
Den Auftakt bildete eine Keynote von Andrea Sanders-Winter (Bundesnetzagentur), die den europäischen Datenmarkt als dynamisches, zugleich aber strukturell herausgefordertes Feld beschrieb. Ausgangspunkt war die stark wachsende Datenmenge in der EU, insbesondere durch das Internet of Things. Gleichzeitig bestehe jedoch ein deutliches Nutzungsdefizit, vor allem bei Maschinendaten. Als zentrale Ursachen nannte Sanders-Winter fehlendes Know-how – insbesondere bei kleinen und mittleren Unternehmen – sowie rechtliche Unsicherheiten und mangelnde technische Standards. Diese Faktoren erschwerten derzeit eine breitere Nutzung von DatenDaten sind Zeichen oder Zeichenketten, die Informationen enthalten, wobei sie auch in Form von Diagrammen oder Zeichnungen auftreten können. Sie... mehr und hemmen datengetriebene Innovationen.
Vor diesem Hintergrund ordnete sie die Rolle zentraler EU-Rechtsakte wie des Data Governance ActDer Data Governance Act (DGA) ist eine im Mai 2022 verabschiedete, seit dem 23. September 2023 EU-weit gültige EU-Verordnung, die neue Möglichkeiten für das... mehr und des Data ActDer Data Act (dt. Datenverordnung) ist ein Rechtsakt der Europäischen Union. Er gehört zur Datenstrategie, die die Kommission im Jahre... mehr ein. Diese schafften zwar einen ersten Ordnungsrahmen, ließen jedoch weiterhin viele Fragen offen. Unbestimmte Rechtsbegriffe führten dazu, dass zentrale Aspekte – etwa die Einordnung von Datenvermittlungsdiensten – in der Praxis oft nur im Einzelfall geklärt werden können. Besonders deutlich wurde dies in der Diskussion zur Frage, wann eine „Geschäftsbeziehung“ im Sinne des DGA vorliegt. Selbst scheinbar klare Fälle, etwa Anreizsysteme wie Gutscheine oder indirekte wirtschaftliche Nutzung von Daten, lassen sich derzeit nicht eindeutig einordnen und erfordern individuelle Bewertungen.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Bedeutung von StandardisierungUm (technisch) Daten, (kommunikativ) Information und/oder (intellektuell) Wissen unter vielen Beteiligten und idealerweise gesellschaftsweit zu prozessieren, müssen einheitliche Schemata genutzt bzw.... mehr und Interoperabilität. Initiativen wie das „European Trusted Data Framework“ sollen gemeinsame Grundlagen für den Datenaustausch schaffen und so VertrauenVertrauen wird meist als psychologisches Phänomen angesehen. Es beruht auf der individuellen Überzeugung, dass eine andere Person einem hilfreich sein... mehr in DatenräumeDer Begriff Datenraum wurde im deutschsprachigen Raum ursprünglich für einen im Unternehmenskauf eingesetzten physischen und später auch virtuellen Raum zum... mehr stärken. Abschließend wurde deutlich, dass sich das regulatorische Umfeld weiterhin in Bewegung befindet. Geplant ist eine Evaluierung zentraler Datenrechtsakte mit dem Ziel, diese langfristig in ein kohärentes europäisches Datengesetz zu überführen. Für die Praxis bedeutet dies, dass sich Akteure auf anhaltende Unsicherheiten und Anpassungsprozesse einstellen müssen.
Vom Konzept zur Verstetigung: Der Lebenszyklus von Datentreuhandmodellen
Ein Input von Prof. Dr. Andreas Pinkwart zum Lebenszyklus eines DatentreuhändersAls Datentreuhänder werden natürliche oder juristische Personen verstanden, die als „Datenintermediäre“ den Zugang zu von Datentreugebern bereitgestellten oder bereitgehaltenen Daten... mehr legte dir Grundlage für die folgenden Workshops. Die drei thematischen Sessions des Nachmittags folgten konsequent dieser Logik eines Lebenszyklus und boten Einblicke in drei Phasen: von der frühen Konzeptionsphase über die experimentelle Pilotierung bis hin zur langfristigen institutionellen Verankerung. Dabei wurde deutlich, dass Herausforderungen für Datentreuhandmodelle nicht isoliert innerhalb einzelner Phasen auftreten, sondern sich fortlaufend weiterentwickeln und gegenseitig beeinflussen. Fragen nach Vertrauen, Governance, rechtlicher Einordnung und Geschäftsmodellen ziehen sich durch alle Phasen – verschieben jedoch mitunter ihren Schwerpunkt: von grundlegenden Gestaltungsfragen hin zu konkreten Umsetzungs- und Skalierungsentscheidungen.
Konzeptionsphase: Vertrauen, Anreize und strukturelle Grundlagen
Die erste Session widmete sich der Konzeptionsphase am Beispiel der PlattformRein technisch gesehen stellen Plattformen als vereinheitlichende Hard- oder Software „Schichten“ dar, auf die heterogene Komponenten aufsetzen und auf denen diese... mehr AVATAR. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Vertrauen in Datentreuhandmodelle aufgebaut werden kann. Ein zentraler Ansatz seitsns AVATAR ist dabei die AnonymisierungAnonymisieren ist das Verändern personenbezogener Daten derart, dass sie sich nicht mehr auf eine identifizierte oder identifizierbare natürliche Person beziehen,... mehr von Daten als Dienstleistung („Anonymity as a Service“), die eine Nutzung sensibler Daten ermöglichen soll, ohne deren Schutz zu gefährden. Deutlich wurde jedoch, dass Vertrauen nicht allein durch technische Lösungen entsteht, sondern dass Organisation und Kommunikation ebenso zentral sind: TransparenzUnter Transparenz versteht man in der Alltagssprache Durchschaubarkeit und Nachvollziehbarkeit, sodass Forderungen nach Transparenz im Allgemeinen als Forderungen nach Offenlegungen... mehr, nachvollziehbare Prozesse und die Einbettung in vertrauenswürdige institutionelle Strukturen spielen hierbei etwa eine Rolle. Gleichzeitig wurde das Spannungsfeld zwischen altruistischen und monetären Anreizen diskutiert: Auch gemeinschaftlich orientierte Modelle sind mit Kosten verbunden, die frühzeitig adressiert und kommuniziert werden müssen. Als möglicher organisatorischer Rahmen wurde vor diesem Hintergrund unter anderem die Datengenossenschaft hervorgehoben, die durch ihre demokratische Struktur Vertrauen schaffen kann, zugleich aber klare Governance-Regeln und tragfähige Entscheidungsstrukturen erfordert.
Pilotphase: Integration und Validierung
In der zweiten Session zur Pilotphase stand die praktische Erprobung von DatentreuhandmodellenDen Begriff Datentreuhandmodell hat das deutsche Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) zum Zweck der Forschungsförderung für eine konzeptuelle Entwicklung... mehr im Fokus. Das Projekt ScaleDTM hat vorgestellt, wie eine Datenraumtechnologie treuhänderisch erweitert wurde und open source bereitgestellt wird. Ein zentrales Ergebnis war, dass die Entwicklung von DTM nur als interdisziplinärer Prozess gelingen kann, in dem technische, rechtliche, organisatorische und ethische Aspekte von Anfang an zusammengedacht werden. Besonders wichtig ist dabei die frühe Einbindung von Stakeholdern sowie die Arbeit mit konkreten Anwendungsfällen. Diese ermöglichen es, Anforderungen realitätsnah zu erfassen und das Leistungsprofil eines Datentreuhänders schrittweise zu schärfen. Gleichzeitig wurde deutlich, dass rechtliche Fragen häufig erst anhand konkreter Use Cases belastbar geklärt werden können. Die Pilotphase dient damit nicht nur der technischen Erprobung, sondern vor allem der Validierung von Prozessen, Governance-Strukturen und möglichen Geschäftsmodellen.
Verstetigungsphase: Governance, Geschäftsmodelle und institutionelle Entscheidungen
Die dritte Session richtete den Blick auf die langfristige Etablierung von Datentreuhandmodellen. Am Beispiel von DDtrust wurde deutlich, dass die Verstetigung insbesondere klare strukturelle Entscheidungen erfordert – etwa zur Trägerschaft, Finanzierung, Governance und zum Leistungsangebot. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie Vertrauen dauerhaft institutionell abgesichert werden kann. Die Diskussion zeigte, dass sowohl die Anbindung an etablierte Institutionen als auch die Gründung eigenständiger Organisationen Vor- und Nachteile mit sich bringen – nicht zuletzt im Hinblick auf regulatorische Anforderungen wie den Data Governance Act. Als zentrale Erfolgsfaktoren wurden klare Governance-Strukturen, rechtliche Sicherheit, eine verlässliche technische Infrastruktur sowie ein tragfähiges Geschäftsmodell identifiziert. Ebenso entscheidend ist ein überzeugendes Wertversprechen für unterschiedliche Stakeholdergruppen – von Forschenden bis hin zu Industriepartnern.
Fazit: Datentreuhand als sozio-technisches Governance-Projekt
Das Vernetzungstreffen hat gezeigt, dass Datentreuhandmodelle weit über technische Infrastrukturen hinausgehen. Sie sind komplexe sozio-technische Systeme, in denen rechtliche, organisatorische und ökonomische Fragen eng miteinander verflochten sind. Über alle Phasen hinweg erweist sich insbesondere Vertrauen als zentrale Voraussetzung – und zugleich als Ergebnis eines gelungenen Zusammenspiels von Governance, Transparenz, institutioneller Einbettung und klaren Anreizstrukturen. Gleichzeitig wurde deutlich, dass sich viele grundlegende Fragen noch in einem frühen Klärungsstadium befinden. Der Bedarf an Austausch zwischen Praxis, Forschung und Regulierung bleibt daher hoch – nicht zuletzt vor dem Hintergrund eines sich weiterentwickelnden europäischen Rechtsrahmens.
Impressionen





