Plattform 

Rein technisch gesehen stellen Plattformen als vereinheitlichende Hard- oder Software „Schichten“ dar, auf die heterogene Komponenten aufsetzen und auf denen diese dann ausgeführt werden können. Plattformen können (wie etwa Spielekonsolen oder die Microsoft-Plattform „Windows“) äußerst komplexe Infrastrukturen sein. 

Wenn man unter Plattform ein softwarebasiertes Produkt versteht, ist es in ökonomischer Hinsicht wichtig, dass eine Plattform eine Nutzung ermöglicht (ggf. in vielerlei Varianten und Wahlmöglichkeiten), ohne dass Nutzende deren eigentliches technisches Innenleben kennen müssen, denn die Schnittstelle zur Plattform ist ein gesondertes Modul. Plattformgebundene Leistungen kann ein Plattformanbieter somit nicht nur in der Art einer „Vermietung“ oder eines „Dienstes“ zur Verfügung stellen und bepreisen, sondern er kann weitere Dinge tun, etwa Daten, die Kunden in die Plattform eingeben, zu eigenen Zwecken prozessieren oder Nutzungsspuren sammeln. 

Ökonomisch erfolgreiche Plattformen können zum einen zu Standardisierungs-Effekten führen: die Schnittstellen, die sie bieten, setzen sich – als Zugang zu exklusiv durch ihre Plattform gewährleistete Verknüpfungsmöglichkeiten – durch. 

Zum anderen gewinnen gerade große Plattformen, die für variable Dienste Anschlüsse bieten, schnell große Marktmacht. Stichworte, die für eine Kritik der Folgen von Geschäftsmodellen auf Plattformen stehen, lauten: „Plattformisierung“, „Plattformökonomie“ oder auch „Plattformkapitalismus“. 

Mit Blick auf Datentreuhandmodelle (DTM) ist zunächst festzuhalten, dass in vielen Fällen auch Treuhandkonzepte einen Plattformansatz wählen. Man versucht dann also das Datenteilen mittels einer technischen Lösung zu organisieren, die – jedenfalls im Kern – eine Plattform ist. Die Frage, die sich dann anschließt, ist diejenige nach der spezifisch „treuhänderischen“ Qualität dieser Plattform. Wodurch und ab wann ist eine plattformgebundene Datenvermittlung eine treuhänderische Leistung? Erprobt werden Ansätze, die besondere Sicherheitsaspekte, besondere Transparenz (z.B. Logging auf einer offenen Blockchain) oder, umgekehrt, besondere Diskretion und Seriosität des Plattformbetreibers sowie bloße Auftragsverarbeitung auf einer Plattform als das zentrale Merkmal eines Datentreuhänders ausprägen wollen.

Literatur

Dolata, Ulrich/Schrape, Felix: Plattform-Architekturen. Strukturation und Koordination von Plattformunternehmen im Internet in: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 74, 2022, doi:10.1007/s11577-022-00826-7