Token

Der Begriff „Token“ lässt sich allgemein als Marke übersetzen, insbesondere als Münzmarke, Spielmarke oder Wertmarke. Diese Definition passt auch auf Token, die auf Blockchain-Technologie basieren, da sie als digitale Wertmarken fungieren. Eine Wertmarke repräsentiert einen Wert, besitzt jedoch keinen eigenen, intrinsischen Wert. Vielmehr stellt sie eine Art Hülle dar, der ein Wert zugewiesen wird – ein Prinzip, das auch auf Token zutrifft. Die BaFin beschreibt Token als „digitale Abbildungen eines intrinsischen oder marktseitig zugesprochenen Werts unter Nutzung der Distributed-Ledger-Technologie (DLT)“. In einem DLT-Netzwerk können Werte jeglicher Art digital dargestellt werden. Die digitale Hülle, die einen solchen Wert repräsentiert, wird als (Krypto-)Token bezeichnet. Zudem fallen Token, die auf DLT basieren, unter den weiter gefassten Begriff der Kryptowerte. Token sind einzigartige, unveränderliche Dateneinträge innerhalb der Blöcke eines Blockchain-Netzwerks. Sie sind einem bestimmten Nutzer zugeordnet und können durch Änderung der Zuordnung zwischen Nutzern transferiert werden. Der bloße Datenbankeintrag ist zunächst wertlos, doch ihm kann ein bestimmter Wert zugewiesen werden, den er künftig abbildet. Diese Wertzuweisung wird nicht direkt im Netzwerk hinterlegt, sondern erfolgt „offline“ – entweder durch eine vertragliche Vereinbarung zwischen Rechtssubjekten oder durch marktseitige Bestimmung auf Basis von Angebot und Nachfrage. Ein wesentlicher Vorteil von Token als Wertträger liegt in der Möglichkeit, sie ohne zwischengeschalteten Intermediär zwischen Nutzern zu übertragen. Dies geschieht durch die Neuzuordnung zu einer anderen Nutzeradresse. Da jede Transaktion eines Tokens unveränderlich im Netzwerk gespeichert und öffentlich einsehbar ist, lässt sich seine Zuordnung jederzeit nachvollziehen. Die einfache Übertragbarkeit sowie die transparente Nachverfolgbarkeit steigern die Verkehrsfähigkeit der repräsentierten Vermögenswerte. Die Erzeugung von Token kann auf verschiedene Weise erfolgen. Eine Möglichkeit besteht in der Schaffung einer neuen Blockchain, wobei Token direkt mit der Initialisierung des Netzwerks generiert werden. Das Blockchain-Protokoll kann außerdem festlegen, dass mit der Generierung neuer Blöcke auch neue Token entstehen, die über einen Konsensmechanismus ausgegeben werden. Dieses Verfahren schafft ein Anreiz- und Belohnungssystem für Netzwerkknoten, die am Konsensmechanismus teilnehmen. Solche Token werden als Protokoll- oder Native Token bezeichnet, da sie integraler Bestandteil des jeweiligen Blockchain-Netzwerks sind und für dessen Funktion erforderlich bleiben. Neben diesen Protokoll-Token gibt es auch Applikations-Token, die nicht direkt auf Protokoll-Ebene, sondern über die Anwendungsschicht eines Blockchain-Netzwerks generiert werden. Diese Token können von jedem Nutzer mithilfe eines Smart Contracts erstellt und mit individuellen Funktionen ausgestattet werden. Dieser Vorgang wird als „Minting“ bezeichnet, was auf Deutsch „Prägung“ bedeutet. Besonders verbreitet ist die Token-Generierung auf Basis des ERC-20-Standards, der auf der Ethereum-Blockchain läuft. Durch diesen Standard entstehen einheitliche, handelbare Token mit einem gemeinsamen Funktionsumfang, was ihre Nutzung und Verbreitung erleichtert” 

Literatur

Birne, Das Allgemeine Privatrecht der Blockchain-Token, 2023