Skalieren organisieren, Organisieren skalieren – Rückblick auf das Vernetzungstreffen der Datentreuhand-Community 2026

Am 26. und 27. März 2026 kamen beim Vernetzungstreffen der Datentreuhand-Community 2026 in Dresden und online erneut Akteur:innen aus Forschung und Praxis zusammen, um über projektspezifische Anliegen wie auch über die Zukunftsperspektiven neuer Intermediäre  zu diskutieren. Unter dem Leitmotiv „Skalieren organisieren, Organisieren skalieren“ stand dabei eine Frage im Mittelpunkt, die interessierte Beteiligte inzwischen besonders beschäftigt: Wie lassen sich Datentreuhandmodelle nicht nur konzipieren und entwickeln, sondern auch konsolidieren, verstetigen und skalieren?

Mit rund 30 Teilnehmenden vor Ort und über zwei Tage hinweg etwa ebenso vielen weiteren online war das Treffen somit zugleich ein Raum fachlichen Austauschs wie auch gemeinsamer Standortbestimmung. Denn nach mehreren Förder- und Entwicklungsphasen geht es im Feld inzwischen nicht mehr allein um das Erproben einzelner Konzepte oder um die grundsätzliche Frage, ob Datentreuhand ein tragfähiger Ansatz für das organisierte Teilen und Verwalten von Daten sein kann. Zunehmend rückt vielmehr in den Vordergrund, wie aus projektförmig erarbeiteten Ansätzen belastbare Strukturen werden können – organisatorisch, rechtlich, technisch und gesellschaftlich.

Das Vernetzungstreffen 2026 machte nicht zuletzt aber sichtbar, was in den vergangenen Jahren bereits entstanden ist: welche Pionierleistungen vollbracht wurden, welche Bausteine inzwischen vorliegen – und an welchen Stellen im Feld gewonnene Einsichten noch stärker zusammengeführt werden können.

Von Einzelprojekten zum gemeinsamen Feld

Schon die ersten Programmpunkte machten deutlich, wie stark sich das Themenfeld in den vergangenen Jahren ausdifferenziert. Beiträge aus dem Datentreuhand-Kompetenz-Netzwerk DaTNet zeigten, dass für Datentreuhandprojekte inzwischen zunehmend konkrete Werkzeuge, Strukturierungsansätze und methodische Hilfsmittel zur Verfügung stehen. Ein Highlight vor diesem Hintergrund waren dann die Lightning Talks, in denen eine zweistellige Zahl von Projekten von konkreten Herausforderungen und ebenso konkreten Lösungsansätzen berichteten. Die kurzen Einblicke machten anschaulich, wie unterschiedlich die praktischen Ausgangslagen im Feld sind – und zugleich wurde deutlich, wie viel konkretes Erfahrungswissen inzwischen in der Community vorhanden ist. Die Einblicke werden ebenso über die Website von DaTNet zur Verfügung gestellt wie Mitschnitte weiterer Programmpunkte. Vorgestellt wurden u.a. ein interaktiver Rechtsform-Schnellcheck (ReFO-Mat), eine Ontologie und Webanwendung zur Konfiguration und Visualisierung verschiedener Datentreuhandmodelle (ForgeTrustee, KickStartTrustee) sowie Arbeiten zu Bedarfsanalyse, Typisierung, Reifegradmodell und DaTenbank.

Die Bandbreite flankierender Initiativen zeigte: Datentreuhand lässt sich nach wie vor nicht auf eine einzige Organisationsform, einen regulatorischen Rahmen oder gar ein einzelnes technisches Tool reduzieren. Vielmehr entstehen Datentreuhänder nur dann (und dort), wo verschiedene Bausteine zielscharf zusammenwirken – von institutionellen Rollen und Governance-Fragen über technische Infrastrukturen bis hin zu rechtlichen und normativen Leitplanken sowie Geschäfts- und Betriebsmodellen. Ergänzt wurde diese vielfalts-tolerante Perspektive durch Überlegungen zu Standards und Interoperabilität, etwa im Kontext von Datentreuhandmodellen für den Datenaustausch zwischen Smart-City-Datenplattformen (KOOP-DAS), sowie in der gemeinsamen Diskussion zu (generalisierbaren Elementen von) Geschäftsmodellen, die im Rahmen eines World Cafés stattfanden. Im Mittelpunkt standen dabei nicht nur Fragen nach Finanzierung und Wertversprechen, sondern auch nach der Value Architecture und dem Value Network von Datentreuhändern – also danach, wie sich Datentreuhandmodelle in tragfähige Kooperations- und Wertschöpfungszusammenhänge einbetten lassen.

Gerade in der Verbindung aus methodischer Präzisierung, organisatorischer Reflexion und praktischer Modellbildung lag eine besondere Stärke des Treffens. Denn für die nächste Entwicklungsphase im Feld wird entscheidend sein, nicht nur einzelne Ergebnisse sichtbar zu machen, sondern gerade auch die Verbindungslinien zwischen ihnen deutlich (und auch kommunizierbar) zu machen – und so die Entwicklung tragfähiger Datentreuhandmodelle gezielt voranzutreiben.

Skalierung heißt mehr als Wachstum

Ein inhaltlicher Schwerpunkt des Treffens lag ganz auf dieser Linie: der Austausch zwischen und mit den sechs durch das BMFTR geförderten „Skalierungsprojekten“, also Vorhaben, die nach der Etablierung bereits auf Wachstum abzielen (Datenallianz Bayern, DDTrust-scale,  DTMForst, geNuGes, InGeoDTM, ScaleTrust). In der moderierten Podiumsdiskussion „Lernen von den Skalierungsprojekten“ wurden die Erfahrungen aus den unterschiedlichen Anwendungsbereichen und institutionellen Kontexten ausgetauscht. Dazu gab es zunächst knappe Projektvorstellungen zu den jeweiligen Herausforderungen, Lösungsansätzen und Learnings und danach ein daran anknüpfendes gemeinsames Gespräch. Hierbei wie auch insgesamt wurde deutlich, dass die entscheidende Herausforderung für Datentreuhandmodelle nicht so sehr in ihrer Konzeption liegt, sondern in ihrer Übertragbarkeit auf größere Zielgruppen sowie in der Verstetigung von Dienstleistungen im Rahmen rechtlicher Anforderungen und unter der Bedingung nachhaltiger Wirtschaftlichkeit. Jedes Projekt muss seine eigenen Wachstumsperspektiven explorieren, die Kontexte haben viel Einfluss. Deutlich wurde nicht zuletzt: Skalierung ist im Kontext von Datentreuhand kein rein quantitativer Begriff, es geht nicht einfach darum, ein funktionierendes Modell „größer“ zu machen. Vielmehr bedeutet Skalierung, aktiv die Bedingungen zu schaffen, unter denen sich ein konkretes Datentreuhandmodell dauerhaft tragen kann und so auch anschlussfähig bleiben oder an Attraktivität gewinnen.

Die Vertreter:innen der Projekte haben hervorgehoben, was dazu alles gehört: ein Zusammenspiel von klaren Rollen und Verantwortlichkeiten, rechtlicher und organisatorischer Verlässlichkeit, technischer Interoperabilität, vertrauenswürdigen Governance-Strukturen und nicht zuletzt plausiblen Geschäfts- und Betriebsmodellen. In engem Zusammenhang dazu stellt sich die Frage, wie Datentreuhandmodelle in bestehende Infrastrukturen eingebettet werden können – etwa durch Kooperationen mit der Datenwirtschaft, durch Ankerkunden oder durch die Anbindung an bestehende Datenräume.

Das Datentreuhand-Thema ist erwachsen geworden: Viele Projekte haben in den vergangenen Jahren wertvolle Vorarbeit geleistet, Modelle erprobt und zentrale Teilaspekte systematisch bearbeitet. Nun geht es zunehmend darum, diese Erkenntnisse nicht nebeneinander stehen zu lassen, sondern sie aufeinander zu beziehen und sie zusammenzuführen – und daraus belastbare Grundlagen für weitere Entwicklungen zu legen. Das Vernetzungstreffen 2026 hat genau diesen Übergang in den Fokus gerückt: weg von der punktuellen Logik einzelner Projektergebnisse, hin zu der Frage, wie Datentreuhänder organisiert werden müssen, damit sie skalieren können. Seitens DaTNet wird ein Reifegradmodell die Diskussion über Skalierung unterstützen.

Drei Foresights für die Zukunft der Datentreuhand

Ebenfalls zentral auf die Zukunft des Datenteilens waren drei Foresights ausgerichtet, die Perspektiven über den aktuellen Projektstand hinaus eröffnen. Mit den Schwerpunkten Recht, Technologie und Ethik wurde diskutiert, welche Entwicklungen das Feld in den kommenden Jahren erwartbar prägen werden – und welche Anforderungen sich daraus für Datentreuhandmodelle ergeben.

Die Foresights machten deutlich, dass die Zukunft von Datentreuhandprojekten in hohem Maße auch von rechtlichen, technischen und auch „weichen“ Bedingungen abhängt, auf die es sich idealerweise rechtzeitig einzustellen gilt. Das klingt nach zusätzlichem Stress – oder jedenfalls nach Bewegtem im Bewegten. In der Auseinandersetzung mit diesen Rahmenbedingungen entscheiden sich jedoch nicht nur die Grenzen, sondern auch die Skalierungs- und Verstetigungschancen des Feldes.

Legal Foresight: Welche institutionellen Formen tragen Datentreuhand?

Im Bereich Legal Foresight stand die Frage im Mittelpunkt, welche rechtlichen und institutionellen Rahmenbedingungen Datentreuhandmodelle langfristig benötigen – und was der Gesetzgeber hier an Neuerungen vorsehen könnte. Diskutiert wurde unter anderem, ob die (erst noch in der Diskussion befindliche) „Gesellschaft mit gebundenem Vermögen“ eine geeignete Rechtsform für Datentreuhänder sein könnte. Zugleich wurde mit Blick auf Datenintermediäre thematisiert, wie sich die regulatorischen Rahmenbedingungen auf EU-Ebene künftig entwickeln – und ob sie den Aufbau tragfähiger Strukturen eher ermöglichen oder im Gegenteil erschweren. Besonders gewinnbringend war dabei die Verbindung von rechtlicher Einordnung und interaktiver Diskussion: In einem Beteiligungsformat konnten die Teilnehmenden einzelne Vorschläge aus dem Digital Omnibus bewerten, etwa mit Blick darauf, welche Pflichten aus dem Data Governance Act (DGA) aus ihrer Sicht eher beibehalten, aufgehoben oder weiterentwickelt werden sollten.

Hervorgehoben wurde: Recht ist für Datentreuhand nicht einfach äußerer Rahmen, sondern konstitutiver Bestandteil ihrer Glaubwürdigkeit. Fragen der Rechtsform, der institutionellen Einbettung und der Verantwortungszuschreibung entscheiden wesentlich darüber, ob die zentrale Größe des Vertrauens tatsächlich strukturell abgesichert werden kann.

Technology Foresight: Welche Technologien werden relevant?

Das Technology Foresight richtete den Blick auf aktuelle Technologietrends und ihre möglichen Auswirkungen auf Datentreuhandmodelle. Deutlich wurde dabei, dass viele technologische Bausteine bereits vorhanden sind – etwa im Bereich Privacy Enhancing Technologies, digitale Identitäten oder semantische Standards. Die eigentliche Herausforderung liegt daher weniger im Fehlen einzelner Technologien als in ihrer vertrauenswürdigen, interoperablen und praxisnahen Integration. Besonders relevant war dabei die zentrale Botschaft: Technologie allein skaliert keine Datentreuhandmodelle. Sie kann Möglichkeiten eröffnen und Prozesse vereinfachen, entfaltet ihr Potential aber nur dann, wenn sie in belastbare institutionelle und normative Arrangements eingebettet ist.

Zugleich ging es natürlich um das große und dynamische Thema „KI“. Es wurde deutlich, dass insbesondere agentische KI das Feld in den kommenden Jahren deutlich verändern könnte: Durch AI-assisted Software Engineering sinken Entwicklungskosten erwartbar um Größenordnungen, was ein interatives, geradezu experimentelles Vorgehen erlauben wird. Wenn sich Geschäfts- und Betriebsmodelle leichter spezifizieren, anpassen und implementieren lassen, wird dies die Entwicklung von Datentreuhandmodellen erheblich beschleunigen.

Ethical Foresight: Welche normativen Bedingungen müssen mitgedacht werden?

Mit dem Ethical Foresight wurde schließlich eine Perspektive stark gemacht, die für die Zukunft des Feldes ebenfalls Bedeutung haben mag: Welche eher an gesellschaftliche Diskurse als an „hartes“ Recht geknüpften Rahmenbedingungen bestimmen das Thema Datentreuhand? Deutlich wurde, dass Digitalethik im Kontext von Datentreuhand nicht nur abstrakte Wertefragen betrifft, sondern sehr konkrete Themen wie Transparenz, Datenprovenienz, Fairness, Verantwortung und den legitimen Umgang mit sensiblen Daten.

Diskutiert wurden vier Themenfelder, die für Datentreuhandmodelle in den kommenden Jahren an Relevanz gewinnen dürften: KI, Geopolitik, Ökologie und Diskriminierung. Digitale Souveränität und Datenprovenienz könnten für Datentreuhänder besonders wichtige Anforderungen werden (oder als Teil des Leistungsspektrums auch Profilierungschancen bieten). Damit wurde zugleich deutlich, dass Datentreuhänder nicht nur als technische oder rechtliche Infrastrukturen zu verstehen sind, sondern zunehmend auch Bausteine bieten zur Realisierung von großen Programmbegriffen wie digitale Souveränität, Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit und gesellschaftliche Resilienz.

Konsolidierung und Weiterentwicklung

Das Vernetzungstreffen 2026 machte deutlich, dass das die Datentreuhand-Community in eine neue Phase eintritt, in der es weniger um neue Einzelansätze geht als um die Aufgabe, das bereits Erarbeitete zu ordnen, zu verbinden und sichtbar zu machen. Wenn Datentreuhandmodelle langfristig Wirkung entfalten sollen, braucht es Best Practices, Erfolge, sicht- und nachnutzbare Ergebnisse, validierte und anschlussfähige Werkzeuge – aber auch vergleichbare Begriffe und Modelle, institutionelles Lernen, tragfähige Betriebs- und Governance-Logiken. Und nicht zuletzt braucht es eine Community, die Erfahrungen nicht nur produziert, sondern auch gemeinsam weiterentwickelt.

Für genau diese gemeinsame Weiterentwicklung war das Vernetzungstreffen 2026 ein wichtiger Ort. Und daraus ergibt sich auch eine Aufforderung an alle, denen der Aufbau tragfähiger Datentreuhänder ein Anliegen ist: Projektergebnisse sollten jetzt nicht nur den interessierten Fachcommunities zugänglich gemacht werden, sondern auch einer wachsenden Öffentlichkeit. Die Kanäle von DaTNet stehen dazu bereit. In diesem Sinne freuen wir uns nicht nur über Projektergebnisse zum Teilen und Sichtbarmachen, sondern auch über Initiativen und Hinweise zur Kommunikation – aus der Community heraus.

Ausblick

Mit dem diesjährigen Treffen hat sich, das wollen wir festhalten, gezeigt, dass Datentreuhandmodelle kein reines Zukunftsversprechen mehr sind. Vieles ist nun tatsächlich bereits erarbeitet, erprobt und differenziert beschrieben – und einiges ist bereits erfolgreich im Betrieb. Die entscheidende Aufgabe liegt nun darin, diese Erkenntnisse in eine Form zu bringen, die über Förderkontexte hinaus Bestand haben kann. Für DaTNet bedeutet das weiterhin: Wissen bündeln, Ergebnisse sichtbar machen, Diskussionen öffnen und Räume schaffen, in denen aus Projekterfahrungen eine gemeinsame gelebte Praxis werden kann. Und natürlich will die bereits etablierte Community (die schon jetzt nicht nur aus geförderten Projekten besteht) weiter wachsen. Denn wenn nicht nur Datentreuhandmodelle, sondern überhaupt Kulturen des Datenteilens skalieren sollen, dann nicht allein durch technische Lösungen oder politische Schlagworte – sondern durch die geduldige, gemeinsame Arbeit an den Strukturen, die Vertrauen überhaupt erst organisierbar machen.



Relevante Links

Vernetzungstreffen der Datentreuhand-Community 2026: https://datnet.eu/dtm-26-dresden/

ReFo_Mat: https://refomat.datnet.eu/

ForgeTrustee, KickStartTrustee: https://expdb.datnet.eu/projects/019c94c1-6b24-70cf-aab4-13053fe9253b / https://www.kickstarttrustee.de/

DaTenbank: https://expdb.datnet.eu/

EG-DAS, KOOP-DAS: https://datentreuhandschaft.de/koop-das/

BMFTR-Skalierungsprojekte: [xii] https://www.bildung-forschung.digital/digitalezukunft/de/wissenschaft_und_forschung/datentreuhandmodelle/dtm-3-0-projektvorstellung/dtm-3-0-projektvorstellung_node.html

Datenallianz Bayern: https://expdb.datnet.eu/projects/019c94c1-6aed-7392-b14a-358fc3004391

DDTrust-scale: https://expdb.datnet.eu/projects/019c94c1-6ad1-7277-80e9-59e2a8b18e47

DTMForst: https://expdb.datnet.eu/projects/019c94c1-6ad8-7064-abee-2e7dfd60a023

geNuGes: https://expdb.datnet.eu/projects/019c94c1-6be9-710a-8c20-c09484105367

InGeoDTM: https://expdb.datnet.eu/projects/019c94c1-6b32-7093-9335-0f61cdb0449e

ScaleTrust: https://expdb.datnet.eu/projects/019c94c1-6bad-7060-94a2-e055ef73225c

Ethical Foresight: https://zenodo.org/records/17951634