{"id":182,"date":"2025-01-28T11:18:00","date_gmt":"2025-01-28T10:18:00","guid":{"rendered":"https:\/\/datnet.eu\/?post_type=glossary&#038;p=182"},"modified":"2025-03-24T14:13:38","modified_gmt":"2025-03-24T13:13:38","slug":"vertrauen","status":"publish","type":"glossary","link":"https:\/\/datnet.eu\/es\/glossar\/vertrauen\/","title":{"rendered":"Vertrauen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vertrauen wird meist als psychologisches Ph\u00e4nomen angesehen. Es beruht auf der individuellen \u00dcberzeugung, dass eine andere Person einem hilfreich sein oder zumindest nicht schaden werde, man das eigene Wohlergehen also trotz unvollst\u00e4ndiger Einsicht in den situativen Gesamtzusammenhang vom Handeln dieser Person abh\u00e4ngig machen k\u00f6nne. Auf Grund der nur unvollst\u00e4ndigen Einsicht in die Gesamtsituation birgt Vertrauen aber immer auch Risiken \u2013 es kann entt\u00e4uscht werden. Entscheidend ist jedoch, dass derjenige, der wirklich vertraut, gerade keine Entt\u00e4uschung erwartet und sich so verh\u00e4lt, als ob es kein Risiko g\u00e4be. Vertrauen erm\u00f6glicht also Kooperation trotz Nichtwissens und erweitert dadurch die eigenen Handlungsm\u00f6glichkeiten. In der Soziologie wird insbesondere die gesellschaftliche Funktion von Vertrauen hervorgehoben. Simmel beschreibt Vertrauen als \u201eHypothese k\u00fcnftigen Verhaltens, die sicher genug ist, um praktisches Handeln darauf zu gr\u00fcnden\u201c (Simmel 1992: 393). Als Hypothese sei Vertrauen ein \u201emittlerer Zustand zwischen Wissen und Nichtwissen.\u201c (Ebd.) Simmel entdeckt damit die \u00fcber die rein zwischenmenschliche Beziehung hinausgehende sozialkonstitutive Funktion von Vertrauen f\u00fcr moderne Gesellschaften. Aufgrund der Ausdifferenzierung einer Gesellschaft und dem dadurch zunehmenden Nichtwissen \u00fcber andere Akteure wird situationsbasiertes Vertrauen zur Voraussetzung f\u00fcr das Funktionieren objektivierter Sozialbeziehungen. Niklas Luhmann beschreibt Vertrauen als Mechanismus zur Reduktion sozialer Komplexit\u00e4t. Aus der Komplexit\u00e4t der Sozialordnung ergebe sich \u201eein gesteigerter Koordinationsbedarf und damit ein Bedarf f\u00fcr Festlegung der Zukunft, also ein Bedarf f\u00fcr Vertrauen, das nun immer weniger durch Vertrautheit gest\u00fctzt sein kann.\u201c (Luhmann 2000: 24)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Digitalpolitik, insbesondere im Datentreuhanddiskurs, ist der Begriff des Vertrauens zu einem Leitprinzip geworden. So werden Datentreuh\u00e4nder als neutrale Vertrauensinstanzen angesehen, die einen fairen und vertrauensw\u00fcrdigen Datenaustausch \u00fcber Organisations- und Sektorengrenzen hinweg erm\u00f6glichen. Ihre Vertrauensfunktion besteht darin, Vertrauen zwischen Marktteilnehmern herzustellen, indem sie vertrauensstiftende Ma\u00dfnahmen implementieren. Darunter f\u00e4llt die Bereitstellung von Kompetenz und Expertise, um Informationsasymmetrien abzubauen und opportunistisches Verhalten zu verhindern. Au\u00dferdem pr\u00fcfen sie teilnehmende Akteure auf Seriosit\u00e4t und stellen Bewertungssysteme bereit, die Transparenz schaffen. Nach Vertragsschluss helfen sie wiederum bei der \u00dcberwachung der Vertragseinhaltung, \u00fcben also Kontrolle aus. Au\u00dferdem beschr\u00e4nken sie das Angebot ihrer Services auf Nutzer, die sich langfristig als vertragstreu und damit als vertrauensw\u00fcrdig erwiesen haben.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Literatur<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Luhmann, Niklas. 2000. Vertrauen. Ein Mechanismus der Reduktion sozialer Komplexit\u00e4t. Stuttgart: UTB.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Person, Christian. 2005. Gaia-X als informations- und dateninfrastruktureller Rahmen f\u00fcr Datentreuh\u00e4nder \u2013 ein Beitrag zur \u00dcberwindung genereller H\u00fcrden des Datenteilens? In:Johannes Buchheim, Florian M\u00f6slein, Sebastian Omlor (Hrsg.). Datentreuhand und Recht. M\u00fcnchen: C.H. Beck (im Erscheinen, vsl. 06\/2025).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Simmel, Georg. 1992. Soziologie. Untersuchungen \u00fcber die Formen der Vergesellschaftung. Gesamtausgabe, Bd. 11. Frankfurt am Main: Suhrkamp.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vertrauen wird meist als psychologisches Ph\u00e4nomen angesehen. Es beruht auf der individuellen \u00dcberzeugung, dass eine andere Person einem hilfreich sein oder zumindest nicht schaden werde, man das eigene Wohlergehen also trotz unvollst\u00e4ndiger Einsicht in den situativen Gesamtzusammenhang vom Handeln dieser Person abh\u00e4ngig machen k\u00f6nne. Auf Grund der nur unvollst\u00e4ndigen Einsicht in die Gesamtsituation birgt Vertrauen&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":10,"featured_media":0,"parent":0,"template":"","meta":{"_price":"","_stock":"","_tribe_ticket_header":"","_tribe_default_ticket_provider":"","_tribe_ticket_capacity":"","_ticket_start_date":"","_ticket_end_date":"","_tribe_ticket_show_description":"","_tribe_ticket_show_not_going":false,"_tribe_ticket_use_global_stock":"","_tribe_ticket_global_stock_level":"","_global_stock_mode":"","_global_stock_cap":"","_tribe_rsvp_for_event":"","_tribe_ticket_going_count":"","_tribe_ticket_not_going_count":"","_tribe_tickets_list":"[]","_tribe_ticket_has_attendee_info_fields":false,"_kad_post_transparent":"","_kad_post_title":"","_kad_post_layout":"","_kad_post_sidebar_id":"","_kad_post_content_style":"","_kad_post_vertical_padding":"","_kad_post_feature":"","_kad_post_feature_position":"","_kad_post_header":false,"_kad_post_footer":false,"_kad_post_classname":"","footnotes":""},"glossary-cat":[],"class_list":["post-182","glossary","type-glossary","status-publish","hentry"],"related_terms":"Vertrauen, Vertrauens","external_url":"","internal_reference_id":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/datnet.eu\/es\/wp-json\/wp\/v2\/glossary\/182","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/datnet.eu\/es\/wp-json\/wp\/v2\/glossary"}],"about":[{"href":"https:\/\/datnet.eu\/es\/wp-json\/wp\/v2\/types\/glossary"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/datnet.eu\/es\/wp-json\/wp\/v2\/users\/10"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/datnet.eu\/es\/wp-json\/wp\/v2\/glossary\/182\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":183,"href":"https:\/\/datnet.eu\/es\/wp-json\/wp\/v2\/glossary\/182\/revisions\/183"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/datnet.eu\/es\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=182"}],"wp:term":[{"taxonomy":"glossary-cat","embeddable":true,"href":"https:\/\/datnet.eu\/es\/wp-json\/wp\/v2\/glossary-cat?post=182"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}