{"id":1770,"date":"2025-09-02T15:38:37","date_gmt":"2025-09-02T13:38:37","guid":{"rendered":"https:\/\/datnet.eu\/?post_type=glossary&#038;p=1770"},"modified":"2025-09-02T15:38:39","modified_gmt":"2025-09-02T13:38:39","slug":"anonymisierung","status":"publish","type":"glossary","link":"https:\/\/datnet.eu\/es\/glossar\/anonymisierung\/","title":{"rendered":"Anonymisierung"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Anonymisieren ist das Ver\u00e4ndern personenbezogener Daten derart, dass sie sich nicht mehr auf eine identifizierte oder identifizierbare nat\u00fcrliche Person beziehen, mithin keinen Personenbezug mehr aufweisen. Eine Anonymisierung erfordert daher eine L\u00f6schung der die R\u00fcckverfolgung erm\u00f6glichenden Daten. Darin unterscheidet sich die Anonymisierung von der Pseudonymisierung, bei der die Hinzuziehung zus\u00e4tzlicher, aber getrennt aufbewahrter Informationen die Identifikation erm\u00f6glicht. Datens\u00e4tze zu anonymisieren kann insbesondere zu Zwecken des Datenschutzes geboten sein, weil die Grunds\u00e4tze, Verbote und Pflichten des Datenschutzrechts auf anonyme Daten nicht anwendbar sind. Eine im Ergebnis vollst\u00e4ndige (g\u00e4nzlich sichere) Anonymisierung von Daten und Datenspuren macht Datenschutzma\u00dfnahmen \u00fcberfl\u00fcssig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br>Es wird zwischen absoluter und faktischer Anonymisierung unterschieden. Bei absoluter Anonymit\u00e4t ist niemand in der Lage, den Personenbezug wiederherzustellen. Von einer faktischen Anonymisierung kann gesprochen werden, wenn die Daten nur mit einem unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig gro\u00dfen Aufwand an Zeit, Kosten und Arbeitskraft einer bestimmten oder bestimmbaren nat\u00fcrlichen Person zugeordnet werden k\u00f6nnen. Auch in Erw\u00e4gungsgrund 26 der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) wird f\u00fcr die Feststellung, ob Mittel nach allgemeinem Ermessen wahrscheinlich zur Identifizierung der nat\u00fcrlichen Person genutzt werden, auf alle objektiven Faktoren, wie die Kosten der Identifizierung und der daf\u00fcr erforderliche Zeitaufwand, abgestellt, wobei die zum Zeitpunkt der Verarbeitung verf\u00fcgbare Technologie und technologische Entwicklungen zu ber\u00fccksichtigen sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br>Eine datenschutzrechtlich hinreichend sicher vollst\u00e4ndige Anonymisierung wird allerdings durch die hohe Informationsdichte von \u201eBig Data\u201c, durch die zunehmende Vernetzung von Datenquellen und auch durch die fortgeschrittenen M\u00f6glichkeiten der Auswertung gruppentypischer Attribute (Erkennung und Deutung von \u201eMustern\u201c) zunehmend schwieriger. So erlauben heute Genomdaten jederzeit eine Individualisierung (nicht nur der Person, sondern auch ihrer Verwandten) \u2013 und angesichts der Verf\u00fcgbarkeit von Gentests f\u00fcr jedermann sind Genomdaten aus Proben wie Haaren oder Speichel auch leicht zu erlangen und leicht auswertbar. Ebenso sind der individuelle Schreib- und Sprechstil, die \u201eHandschrift\u201c bei der Bedienung von Tastaturen, die K\u00f6rperhaltung beim Gehen oder Laufen etc. digital auslesbar, und auch Gesichter oder Stimmen erlauben es, nat\u00fcrliche Personen zu identifizieren. Dies gibt der datenschutzrechtlich zentralen Frage nach dem \u201eAufwand\u201c, der zu einer Zuordnung typischerweise n\u00f6tig w\u00e4re, gro\u00dfes Gewicht. In der Regel reicht es jedenfalls nicht, einfach Namen und Ortsbez\u00fcge aus Datens\u00e4tzen zu tilgen, um sie zu anonymisieren. Da der Verantwortliche regelm\u00e4\u00dfig nicht ausschlie\u00dfen kann, ob sich der Personenbezug nicht doch durch das Zusatzwissen Dritter wiederherstellen l\u00e4sst, muss er strukturell sicherstellen, dass unabh\u00e4ngig von m\u00f6glichem Zusatzwissen keine De-Anonymisierung mehr m\u00f6glich ist.<br><br>Wie \u201etief\u201c eine konkrete Anonymisierungsanstrengung beispielsweise im Falle von Patientendaten sein muss, ist nicht leicht zu sagen (und im Zweifel juristisch zu diskutieren). F\u00fcr DTM ist die Frage nach der Notwendigkeit einer Anonymisierung (oder Pseudonymisierung) von Datens\u00e4tzen in der Regel wichtig. Je nach Art der durch den Treuh\u00e4nder geleisteten Datenverarbeitung bzw. Datenvermittlung kann auch die Anonymisierung (bzw. Pseudonymisierung) von Datenanalyse-Ergebnissen (und nicht der Datenbest\u00e4nde selbst) eine zu diskutierende Alternative sein.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Literatur<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Andreas Pfitzmann und Marit Hansen: Anonymity, Unlinkability, Undetectability, Unobservability, Pseudonymity, and Identity Management \u2013 A Consolidated Proposal for Terminology. Dresden\/Kiel 2008. <a href=\"https:\/\/www.researchgate.net\/publication\/228622491_Anonymity_Unlinkability_Undetectability_Unobservability_Pseudonymity_and_Identity_Management-A_Consolidated_Proposal_for_Terminology\">https:\/\/www.researchgate.net\/publication\/228622491_Anonymity_Unlinkability_Undetectability_Unobservability_Pseudonymity_and_Identity_Management-A_Consolidated_Proposal_for_Terminology<\/a> \u00a0[29.08.2025]<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Datenschutzgrundverordnung (DSGVO), Verordnung (EU) 2016\/679 des Europ\u00e4ischen Parlaments und des Rates vom 27. April 2016. <a href=\"https:\/\/eur-lex.europa.eu\/legal-content\/DE\/TXT\/PDF\/?uri=CELEX:32016R0679\">https:\/\/eur-lex.europa.eu\/legal-content\/DE\/TXT\/PDF\/?uri=CELEX:32016R0679<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anonymisieren ist das Ver\u00e4ndern personenbezogener Daten derart, dass sie sich nicht mehr auf eine identifizierte oder identifizierbare nat\u00fcrliche Person beziehen, mithin keinen Personenbezug mehr aufweisen. Eine Anonymisierung erfordert daher eine L\u00f6schung der die R\u00fcckverfolgung erm\u00f6glichenden Daten. 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